Eine Rechnung über die volle Vertragslaufzeit von 47 Jahren, mit Steuern auf beiden Seiten und mit den Vorteilen, die der Vertrag tatsächlich hat.
Über zehn Monate wurden 1.161,50 € eingezahlt, ausgezahlt wurden zum 01.09.2026 genau 902,33 €. Der Verlust beträgt damit 259,17 €; Kapitalertragsteuer fiel keine an, steuerlich anerkannt sind 220,29 €. Wohin die Differenz geflossen ist, zeigt der Kontoauszug für die ersten acht Monate: Von 920 € Beitrag gingen 206,64 € als Abschlusskosten und 74 € als übrige Kosten ab, investiert wurden 639,36 €. Rund 30 % Kostenanteil in der Anfangsphase ist für einen gezillmerten Provisionstarif normal und verteilt sich über die Jahre. Für die Entscheidung zählt deshalb nicht dieser Startwert, sondern die Belastung über die gesamte Laufzeit.
Das Produktinformationsblatt mit den ausgewiesenen Effektivkosten liegt mir nicht vor. Der Wert lässt sich aber aus der Beispielrechnung der Alten Leipziger selbst zurückrechnen: Dort stehen für vier angenommene Bruttorenditen die jeweiligen Endwerte. Löst man nach der tatsächlich erzielten Nettorendite auf, ergibt sich in allen vier Szenarien konsistent dieselbe Renditeminderung.
| Angenommene Bruttorendite | Endwert lt. AL | Implizite Nettorendite | Minderung |
|---|---|---|---|
| −2,0 % | 34.206 € | −3,02 % | 1,02 pp |
| 2,0 % | 84.307 € | 0,98 % | 1,02 pp |
| 6,0 % | 261.485 € | 4,98 % | 1,02 pp |
| 8,0 % | 490.346 € | 6,98 % | 1,02 pp |
Die Effektivkosten liegen also bei rund 1,02 % pro Jahr. Davon entfallen etwa 0,22 pp auf die Fonds selbst, der Rest von rund 0,80 pp auf die Versicherung. Ein eigener Sparplan auf einen breiten Aktien-ETF kostet 0,20 %. Der Unterschied beträgt damit gut 0,8 Prozentpunkte jährlich — und zwar sicher, unabhängig von jeder Marktentwicklung.
Beide Seiten mit demselben Beitrag, derselben fünfprozentigen jährlichen Steigerung und demselben Startkapital gerechnet. Der Abstand ist bis Mitte 30 kaum sichtbar und wächst danach überproportional — das ist der Zinseszins auf die Kostendifferenz.
| Alter | Eingezahlt | Versicherung | ETF-Sparplan | Differenz |
|---|
Bei Kapitalauszahlung nach zwölf Jahren und nach dem 62. Lebensjahr ist nur die Hälfte des Gewinns steuerpflichtig, dann aber mit dem persönlichen Satz. Beim Depot fallen 26,375 % Abgeltungsteuer an, durch die Teilfreistellung für Aktienfonds aber nur auf 70 % des Gewinns — effektiv 18,46 %. Der Sparerpauschbetrag ist über die Jahre kumuliert berücksichtigt.
| Versicherung | ETF-Sparplan |
|---|
Der Steuervorteil ist real, aber er wirkt einmalig auf den Gewinn. Der Kostennachteil wirkt jedes Jahr auf das gesamte Kapital. Deshalb bleibt auch nach Steuern ein Vorsprung von für den Sparplan — bei jedem Einkommensteuersatz, den der Regler zulässt.
Der stärkste Punkt für die Versicherung ist die lebenslange Rente. Der Vergleich ist deshalb so gerechnet, dass er die Versicherung bevorzugt: Aus dem Versicherungsguthaben wird eine Leibrente zum aktuellen Rentenfaktor gebildet und mit dem Ertragsanteil von 17 % besteuert — das ist die günstigste Besteuerung, die es hier gibt. Dem Depot wird anschließend genau derselbe Nettobetrag monatlich entnommen, inklusive Abgeltungsteuer auf den Gewinnanteil jeder Entnahme, nach dem FIFO-Prinzip: verkauft werden die ältesten Anteile zuerst, und die haben nach 47 Jahren Sparplan den höchsten Gewinnanteil. Der jährliche Sparerpauschbetrag ist gegengerechnet.
Damit die Rechnung ehrlich bleibt: Der Vertrag hat Eigenschaften, die ein Depot nicht abbildet.
| Vorteil des Vertrags | Wert | Einschätzung |
|---|---|---|
| Pflege-Option, kostenfrei | Rente verdoppelt sich | Der einzige Punkt, der nicht ersetzbar ist |
| Garantierter Rentenfaktor 26,23 € | 5 % unter aktuell | Echter Boden, aber nur bei Verrentung |
| Steuerfreies Rebalancing | ≈ 0,05–0,1 pp p.a. | Bei einem statischen ETF-Depot fast bedeutungslos |
| Langlebigkeitsschutz | der eigentliche Zweck | Zahlt, wenn Depotrendite und Lebensdauer ungünstig zusammenfallen |
Zusammen sind das keine 0,8 Prozentpunkte pro Jahr wert. Die Pflege-Option gebe ich bewusst auf; eine eigenständige Pflegeabsicherung lässt sich später gezielt abschließen, wenn sie relevant wird.
Eine Beitragsfreistellung als Mittelweg gab es nicht: Laut der Standmitteilung vom 13.07.2026 ist das Preview für die Finanzierbarkeit nicht erfolgreich — bei einem Beitragsstopp erlischt der Vertrag und der Rückkaufswert wird ausgezahlt. Die Wahl bestand also nur zwischen Weiterzahlen und Kündigen.
Die 259,17 € Verlust sind versunken — sie kommen weder durch Weiterzahlen noch durch Kündigen zurück. Was bleibt, ist die Frage nach den nächsten 47 Jahren, und da ist der Kostenunterschied die einzige Größe, die ich heute sicher kenne. Renditen, Steuerrecht und Rentenfaktoren sind über diesen Zeitraum Annahmen; 0,8 Prozentpunkte jährlicher Kostenvorsprung sind es nicht.
Dazu kommt der Punkt, der sich nicht in einer Zahl ausdrücken lässt: Bei einem Depot kann ich auf Änderungen reagieren — Entnahmezeitpunkt steuern, Beiträge aussetzen, die Anlage anpassen. Ein Vertrag mit Laufzeit bis 2073 legt mich fest, in einem Steuersystem, das sich seit 2005 dreimal grundlegend geändert hat.