Alte Leipziger ALfonds — Fondsgebundene Rente (VEFR10), Tarifgruppe VE

Fondsgebundene Rente, ETF-Sparplan oder Altersvorsorgedepot — vier Wege im Vergleich

Eine Rechnung über 47 Jahre, mit Steuern, Förderung und Kosten. Die fondsgebundene Rente ist bereits gekündigt (Vertragsende 01.09.2026); der Vergleich zeigt, wie sich die Alternativen für die weitere Vorsorge schlagen.

Annahmen — verschiebbar. Versicherung gegen ETF-Sparplan kippt in keiner Einstellung; beim Altersvorsorgedepot entscheidet vor allem der Steuersatz.
Märkte
Bruttorendite der Fonds
Depotrendite ab 67
Inflation
Steuern und Familie
Einkommen mit 67 ohne AVD
Steuersatz beim Berufseinstieg
Grenzsteuersatz für den Sonderausgabenabzug, steigt bis zur Rente gleichmäßig
Steuersatz vor der Rente
Kirchensteuer
Kinder mit Kindergeld
Alter bei der Geburt
Altersvorsorgedepot (ab 2027)
Depot-Typ in Grafik und Tabellen
Kosten Standarddepot
Gesetzlicher Deckel: 1,0 %; die Voreinstellung darunter ist eine Annahme
Kosten individuelles Depot
Kein Deckel — Annahme
Ende des Auszahlplans
Gesetz: frühestens mit 85; je später, desto kleiner die Pflichtentnahme
1

Auf einen Blick

Dieselben Beiträge (121 € im Monat, 5 % Steigerung pro Jahr, 47 Jahre) werden auf vier Wegen angelegt: in der fondsgebundenen Rente der Alten Leipziger, in einem ETF-Sparplan, im Altersvorsorgedepot (AVD) ab 2027 komplett („pur“) oder nur bis zur Förderobergrenze von 1.800 € im Jahr, mit dem Rest im ETF-Sparplan („Hybrid“). Die Tabelle zeigt, was nach Steuern übrig bleibt. Alle Annahmen lassen sich oben verschieben.

PlatzWegNach Steuern mit 67Abstand zum ETF-Sparplan Vermögen mit 102, nach gleicher Netto-Rente

2

Vier Wege für dasselbe Geld — mit dem Altersvorsorgedepot ab 2027

Zum 1. Januar 2027 löst das Altersvorsorgedepot (AVD) die Riester-Rente ab (Altersvorsorgereformgesetz, BGBl. I 2026 Nr. 156). Es ist ein Depot mit staatlicher Zulage und nachgelagerter Besteuerung. Damit gibt es vier Wege: die Versicherung (hier als Vergleich, als hätte ich sie weitergeführt), den ETF-Sparplan, das AVD pur (alles geht ins AVD, das Startkapital füllt im ersten Jahr die Förderlücke) und den Hybrid (das AVD bekommt höchstens 1.800 € im Jahr, der Rest geht in den ETF-Sparplan). Gefördert werden nur 1.800 € im Jahr, mein Jahresbeitrag wächst aber auf über 13.000 €. In den ersten fünf Jahren liegt er unter der Grenze, dann geht auch im Hybrid alles ins AVD. Das sind die Regeln, mit denen ich rechne:

RegelWertIn der Rechnung
Grundzulage50 % auf die ersten 360 €, 25 % bis 1.800 € Höchstens 540 € im Jahr, dazu einmalig 200 € für Berufseinsteiger unter 25, unverändert über 47 Jahre. Die Kinderzulage (300 € je Kind bis zum 18. Lebensjahr) gibt es nur mit dem Regler „Kinder“; sie senkt den Steuervorteil, weil die Zulagen auf ihn angerechnet werden
Depot-Typ und KostenStandarddepot: zwei vorgegebene Fonds, Kosten höchstens 1,0 %. Individuelles Depot: freie Auswahl, kein Kostendeckel. In beiden werden Abschluss- und Vertriebskosten gleichmäßig auf die Ansparphase verteilt Zwei Kostenregler und eine Auswahl oben. Abschnitt 6 vergleicht beide Typen
Anlage im StandarddepotEin defensiver Fonds (Risikoklasse 1–2) und ein chancenorientierter (3–5); ich lege nur die Aufteilung fest. Standardmäßig sinkt der chancenorientierte Anteil fünf Jahre vor Rentenbeginn auf 50 %, später auf 30 % — auf Wunsch lässt sich das ändern 100 % chancenorientiert, dann der Abbau (drei Jahre 50 %, zwei Jahre 30 %); der defensive Teil rentiert mit 2 %. Der Abbau lässt sich oben abschalten; nach Rentenbeginn rechne ich ohne Umschichtung
AnsparphaseKeine Steuer auf Erträge und Umschichtungen; Beiträge und Zulagen als Sonderausgaben absetzbar Steuererstattung nach Günstigerprüfung mit dem Steuersatz der Berufsjahre, angelegt im ETF-Depot
AuszahlungNachgelagert mit persönlichem Steuersatz; Beginn zwischen 65 und 70; Leibrente oder Auszahlplan bis mindestens 85, der jeweils mindestens 80 % des Kapitals gleichmäßig auf die Restlaufzeit verteilt; bis zu 30 % als Einmalbetrag Geförderter Teil voll nach dem Tarif 2026, aufgesetzt auf das Einkommen aus dem Regler. Gerechnet wird der Auszahlplan mit der gesetzlichen Mindestrate bis zum gewählten Ende (Regler, Voreinstellung 85), alle drei Jahre neu festgelegt, zum Schluss das Restkapital. Was über die gewünschte Netto-Rente hinausgeht, lege ich im ETF-Depot an
Stand Oktober 2026, geprüft am Altersvorsorgereformgesetz (BGBl. I 2026 Nr. 156): Zulage, Mindesteigenbeitrag, Sonderausgabenabzug (1.800 € zuzüglich Zulage, § 10a EStG), Kostendeckel und Auszahlungsregeln stehen dort so. Ungeförderte Beträge: Besteuert werden nur die Erträge, bei Auszahlung nach zwölf Jahren hälftig (§ 22 Nr. 5 Satz 2 Buchst. c EStG in Verbindung mit § 20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 2 EStG) — das ist meine Auslegung der Verweisung. Nicht modelliert: Einmalbetrag von bis zu 30 %, Leibrente und Krankenversicherungsbeiträge (als gesetzlich Pflichtversicherter in der Krankenversicherung der Rentner fallen sie nach meinem Kenntnisstand auf private Renten und Kapitalerträge nicht an — bitte prüfen; bei freiwilliger Versicherung träfe es alle Wege gleichermaßen).
3

Ansparphase: Was 0,8 Prozentpunkte über 47 Jahre bedeuten

Alle vier Wege mit demselben Beitrag, derselben fünfprozentigen jährlichen Steigerung und demselben Startkapital gerechnet. Der Abstand zwischen Versicherung und ETF-Sparplan ist bis Mitte 30 kaum sichtbar und wächst danach überproportional — das ist der Zinseszins auf die Kostendifferenz. Das AVD liegt vor Steuern vorn, weil Zulage und Steuererstattung dazukommen; die Steuer folgt erst bei der Auszahlung (Abschnitt 4).

Eingezahlt Versicherung ETF-Sparplan Altersvorsorgedepot pur Hybrid (AVD + ETF)
AlterEingezahltVersicherung ETF-SparplanAVD purHybrid
4

Nach Steuern — und warum der Steuervorteil der Versicherung nicht reicht

Die Versicherung wird bei einer Kapitalauszahlung nach zwölf Jahren und nach dem 62. Lebensjahr nur auf die Hälfte des Gewinns besteuert, dann aber mit dem persönlichen Satz. Beim Depot fallen Abgeltungsteuer an (inklusive Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer). Durch die Teilfreistellung für Aktienfonds sind aber nur 70 % des Gewinns steuerpflichtig, effektiv sind das . Die Vorabpauschale ist mit einem Basiszins von 2,5 % eingerechnet, und der Sparerpauschbetrag gilt nur einmal im Jahr. Das AVD wird erst bei der Auszahlung besteuert, dann aber der geförderte Teil komplett nach dem Einkommensteuertarif 2026, aufgesetzt auf das Einkommen aus dem Regler „Einkommen mit 67 ohne AVD“. Dafür gibt es vorab Zulagen und Steuererstattung. Die Auszahlung ist hier gleichmäßig über die Laufzeit des Auszahlplans verteilt gerechnet, wie es das Gesetz verlangt.

VersicherungETF-SparplanAVD purHybrid

Der Steuervorteil der Versicherung ist real, aber er wirkt einmalig auf den Gewinn. Der Kostennachteil wirkt jedes Jahr auf das gesamte Kapital. Deshalb bleibt auch nach Steuern ein Vorsprung von für den Sparplan gegenüber der Versicherung — bei jedem Einkommen, das der Regler zulässt.

5

Die Rentenphase: dieselbe Netto-Rente aus allen Wegen

Der stärkste Punkt für die Versicherung ist die lebenslange Rente. Der Vergleich ist deshalb so gerechnet, dass er die Versicherung bevorzugt: Aus dem Versicherungsguthaben wird eine Leibrente zum aktuellen Rentenfaktor gebildet und mit dem Ertragsanteil von 17 % besteuert — das ist die günstigste Besteuerung, die es hier gibt. Dem Depot wird anschließend genau derselbe Nettobetrag monatlich entnommen, inklusive Abgeltungsteuer auf den Gewinnanteil jeder Entnahme. Es gilt das FIFO-Prinzip: Verkauft werden die ältesten Anteile zuerst, und die haben nach 47 Jahren Sparplan den höchsten Gewinnanteil. Der jährliche Sparerpauschbetrag ist gegengerechnet. Beim Altersvorsorgedepot gilt ein gesetzlicher Auszahlplan, der frühestens mit 85 endet (Regler oben). Die Rate wird alle drei Jahre neu festgelegt, und zwar auf mindestens 80 % des Kapitals, gleichmäßig verteilt auf die Restmonate. Am Ende wird der Rest ausgezahlt, und jede Auszahlung ist mit dem persönlichen Steuersatz belastet. Das ist deutlich mehr, als für die gewünschte Netto-Rente nötig wäre; den Überschuss nach Steuern lege ich im ETF-Depot an. Die Linien zeigen deshalb das gesamte Vermögen, nicht nur das AVD, und zwar für den oben gewählten Depot-Typ.

ETF-Depot bei laufender Entnahme AVD pur Hybrid

6

Standarddepot oder individuelles Depot?

Der entscheidende Unterschied: Wer wählt aus, worin das Geld investiert ist? Im Standarddepot gibt der Anbieter die Fonds vor, im individuellen Depot suche ich sie selbst aus.

MerkmalStandarddepotIndividuelles Depot
AnlageZwei Fonds vom Anbieter Freie Auswahl aus Fonds und ETFs bis Risikoklasse 5, dazu bestimmte Staatsanleihen
KostenHöchstens 1,0 % Effektivkosten Kein Deckel — Beratung und Fondsauswahl können teurer werden
SteuerungNur die Aufteilung; Aktienabbau vor Rentenbeginn als Voreinstellung Strategie selbst anpassbar, kein vorgeschriebener Abbau
AbschlussDigital, ohne BeratungAuch ohne Beratung möglich, bei Beratung mit Provision
Standard, purStandard, HybridIndividuell, purIndividuell, Hybrid

7

Was der Vertrag gekostet hat

Über zehn Monate wurden 1.161,50 € eingezahlt, ausgezahlt wurden zum 01.09.2026 genau 902,33 €. Der Verlust beträgt damit 259,17 €; Kapitalertragsteuer fiel keine an, steuerlich anerkannt sind 220,29 €. Wohin die Differenz geflossen ist, zeigt der Kontoauszug für die ersten acht Monate: Von 920 € Beitrag gingen 206,64 € als Abschlusskosten und 74 € als übrige Kosten ab, investiert wurden 639,36 €. Rund 30 % Kostenanteil in der Anfangsphase ist für einen gezillmerten Provisionstarif normal und verteilt sich über die Jahre. Für die Entscheidung zählt deshalb nicht dieser Startwert, sondern die Belastung über die gesamte Laufzeit.

8

Die Kostenbelastung über die Laufzeit — aus der eigenen Beispielrechnung

Das Produktinformationsblatt mit den ausgewiesenen Effektivkosten liegt mir nicht vor. Der Wert lässt sich aber aus der Beispielrechnung der Alten Leipziger selbst zurückrechnen: Dort stehen für vier angenommene Bruttorenditen die jeweiligen Endwerte. Löst man nach der tatsächlich erzielten Nettorendite auf, ergibt sich in allen vier Szenarien dieselbe Renditeminderung.

Angenommene BruttorenditeEndwert lt. AL Implizite NettorenditeMinderung
−2,0 %34.206 €−3,02 %1,02 pp
2,0 %84.307 €0,98 %1,02 pp
6,0 %261.485 €4,98 %1,02 pp
8,0 %490.346 €6,98 %1,02 pp
Beispielrechnung zum Versicherungsschein, Beitrag 115 €, 572 Monate, ohne Dynamik.

Die Effektivkosten liegen also bei rund 1,02 % pro Jahr. Davon entfallen etwa 0,22 pp auf die Fonds selbst, der Rest von rund 0,80 pp auf die Versicherung. Ein eigener Sparplan auf einen breiten Aktien-ETF kostet 0,20 %. Der Unterschied beträgt damit gut 0,8 Prozentpunkte jährlich — und zwar sicher, unabhängig von jeder Marktentwicklung.

9

Was ich mit der Kündigung aufgebe

Damit die Rechnung ehrlich bleibt: Der Vertrag hat Eigenschaften, die ein Depot nicht abbildet.

Vorteil des VertragsWertEinschätzung
Pflege-Option, kostenfreiRente verdoppelt sich Der einzige Punkt, der nicht ersetzbar ist
Garantierter Rentenfaktor 26,23 €5 % unter aktuell Echter Boden, aber nur bei Verrentung
Steuerfreies RebalancingErst spät relevant Im Depot übernehmen das die laufenden Einzahlungen, ohne dass etwas verkauft wird. Erst wenn die Beiträge klein gegenüber dem Depotwert sind, bleibt nur noch verkaufen — und dann fällt Abgeltungsteuer an
LanglebigkeitsschutzDer eigentliche Zweck Zahlt, wenn Depotrendite und Lebensdauer ungünstig zusammenfallen

Zusammen sind das keine 0,8 Prozentpunkte pro Jahr wert. Die Pflege-Option gebe ich bewusst auf; eine eigenständige Pflegeabsicherung lässt sich später gezielt abschließen, wenn sie relevant wird.

Das Altersvorsorgedepot bringt eigene Bindungen mit: Die Auszahlung beginnt frühestens mit 65. Das Kapital muss über einen Auszahlplan abgebaut werden, der frühestens mit 85 endet, und wird dabei voll mit dem persönlichen Satz versteuert. Im Standarddepot geben die Anbieter die Fonds vor. Dafür gibt es die Förderung. Ein Wechsel zu einem anderen Anbieter ist mit einer Frist von drei Monaten zum Quartalsende möglich und kostet in den ersten fünf Jahren höchstens 150 €, danach nichts.

Umgekehrt kann das Depot etwas, das der Vertrag nicht kann: Ich suche die Fonds selbst aus. Die Auswahl im Vertrag stand fest, und sie enthielt 15 % eines Themen-ETF auf künstliche Intelligenz und Big Data — ein Sektorprodukt mit dem höchsten Risikoindikator aller fünf Positionen. Über 47 Jahre ist das ein Klumpenrisiko in einem Modethema, nicht in einer Anlageklasse. Im eigenen Depot lasse ich es einfach weg und behalte die breit streuenden Bausteine.

Eine Beitragsfreistellung als Mittelweg gab es nicht: Laut der Standmitteilung vom 13.07.2026 war die Finanzierbarkeitsprüfung („Preview“) nicht erfolgreich. Bei einem Beitragsstopp erlischt der Vertrag, und der Rückkaufswert wird ausgezahlt. Die Wahl bestand also nur zwischen Weiterzahlen und Kündigen.

10

Einordnung

Die 259,17 € Verlust sind versunken — sie kommen weder durch Weiterzahlen noch durch Kündigen zurück. Was bleibt, ist die Frage nach den nächsten 47 Jahren, und da ist der Kostenunterschied die einzige Größe, die ich heute sicher kenne. Renditen, Steuerrecht und Rentenfaktoren sind über diesen Zeitraum Annahmen; 0,8 Prozentpunkte jährlicher Kostenvorsprung sind es nicht.

Dazu kommt der Punkt, der sich nicht in einer Zahl ausdrücken lässt: Bei einem Depot kann ich auf Änderungen reagieren — Entnahmezeitpunkt steuern, Beiträge aussetzen, die Zusammensetzung anpassen, wenn sich meine Einschätzung ändert. Ein Vertrag mit Laufzeit bis 2073 legt mich fest, in einem Steuersystem, das sich seit 2005 dreimal grundlegend geändert hat.